Jesu Sprache – wie hat Jesus gesprochen?

Viele kennen Jesus als einen Hebräer. Schließlich ist er der Überlieferung zu Folge in Bethlehem geboren, später in Nazareth und anderen Regionen Israels wie Galiläa und Judäa aufgewachsen. Dort hat er bis zu seinem Tode gewirkt.

Doch die wenigsten wissen, welche Sprachen Jesus gesprochen hat. Warum ist das so wichtig, wird sich der eine oder andere Leser fragen. Nun, wäre es nicht interessant, spannend und erkenntnisreich zu gleich, zu erfahren, in welchen Sprachen er tatsächlich gepredigt und die frohe Botschaft verkündet hat?

Um diese Frage zu beantworten, muss man ein wenig ausholen. Obwohl Jesus mit dem Evangelium viel Neues (Neues Testament) verkündet hat, basierte immer noch einiges auf das Alte Testament. Das Alte Testament sind die heiligen Schriften des Judentums.
Das Alte Testament besteht wiederum aus vielen einzelnen Büchern, darunter auch der Talmud.
Der Talmud ist eine der wichtigsten Schriften des Judentums und hat aramäische Einflüsse. Er besteht aus zwei Teilen, dem Mischna und die Gemara. Die Gemara ist überwiegend auf Aramäisch verfasst.

Christliche Kirche In Midyat, Türkei. Die Syrisch-orthodoxe Kirche Hat Einen Festen Platz In Diesem Teil Der Südöstlichen Türkei. Lizenzfreie Fotos, Bilder Und Stock Fotografie. Image 22792718.

(Bild: Darstellung Jesus, Chora-Kirche, alten byzantinischen Kirche in Istanbul, Türkei )

„Die wichtigsten Texte zur jüdischen Gesetzeslehre wurden in Schulen entwickelt, die auf Aramäisch unterrichteten. Später, als das Gebiet des heutigen Iraks zum Zentrum des Judentums wurde, sprachen Juden Aramäisch. Es war die Sprache der jüdischen Gesetze. Selbst heutzutage, wo jüdische Gesetzestexte auf Hebräisch geschrieben werden, werden noch immer aramäische Ausdrücke und Zitate benutzt. Um also diese Texte zu verstehen, braucht man Aramäisch-Kenntnisse“, sagt Rabbi Avi Novis-Deutsh, Rabbiner am Schechter Instituts für Jüdische Studien in Jerusalem. (vgl. https://kurzelinks.de/buwn)

Teile der Bücher Daniel, Ezra und Nechemia aus der Bibel sind auf Aramäisch verfasst. Selbst der jüdische Hochzeitsvertrag, die Ketuba – zumindest in orthodoxen Kreisen – war in Aramäisch niedergeschrieben. Damit war die Aramäische Sprache längst ein Teil des Judentums geworden.

Jesus hat Aramäisch gesprochen
Kehren wir nun zur Ausgangsfrage zurück: Welche Sprache hat Jesus gesprochen? Viele Historiker sind sich einig. Jesus hat mehrere Sprachen gesprochen, darunter Hebräisch, Griechisch und Aramäisch.
Die Mehrheit der Historiker kann belegen: Jesus hat seinen Jüngern das „Vater unser“ gelehrt. Das Gebet hat Jesus ursprünglich auf Aramäisch mitgeteilt. Folglich können wir daraus schließen, dass Jesus auch in aramäischer Sprache gedacht und geträumt hat. (Mehr über das Vater unser und wie aramäisch sich anhört, erfährst Du hier)

Das Aramäische als Amts- und Handelssprache
Das Aramäische ist bis ins zweite Jahrtausend v. Chr. bezeugt und neben dem Chinesischen und Griechischen die älteste noch gesprochene Sprache der Welt. Ab ca. 1000 v. Chr. verdrängte sie die damaligen bekannten Sprachen Babyloniens, Assyriens, Syriens und Palästinas. Die ältesten Datierungen der Sprache sind Inschriften des 10 Jh. v. Chr. aus Nordsyrien. Bereits am Anfang es 8. Jh. v. Chr. wird das Aramäische zur Handels- und Diplomatensprache des Vorderen Orients. Drei Jahrhunderte später, um 500 v. Chr., erklärt es der achämenidische König Darius I. zur offiziellen Sprache des Persischen Reiches. Zur Zeit Jesu Christi ist das Aramäische die Umgangssprache im gesamten Nahen Osten, sodass es seine Muttersprache war und er darin predigte.

„Mit der Ausbreitung des Islams wurde das Aramäische weitgehend verdrängt und konnte nur in abgelegenen Gebirgsregionen überleben, wo es im 18. Jahrhundert von europäischen Gelehrten wieder entdeckt wurde“, betont Werner Arnold, Professor für Semitistik am Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Universität Heidelberg.

Weiterhin fügt Herr Arnold hinzu: „Mit dem Genozid an den Christen im osmanischen Reich im Jahre 1915 begann der endgültige Niedergang des Aramäischen. Die Vertreibung der Juden aus dem Irak im Jahre 1951, die Kämpfe zwischen der PKK und der türkischen Armee Ende des vorigen Jahrhunderts, die Golfkriege im Irak und Iran und die gegenwärtige Bedrohung der Christen durch den „Islamischen Staat“ haben dazu geführt, dass es heute fast keine Aramäer mehr im Vorderen Orient gibt.“

Auf die Frage, welche Bedeutung das Aramäische für Jesus hatte, beschreibt es Herr Arnold, wie folgt: „Das galiläische Aramäisch war seine Muttersprache, die er mit seinen Eltern und Freunden im Alltag gesprochen hat. Ob er Latein und Griechisch gesprochen hat, wie viele Gebildete seiner Zeit in Palästina, wissen wir nicht. Sicherlich konnte er auch Hebräisch, das damals nur noch Sprache der Religion und der Wissenschaft war, wie lange Zeit das Lateinische in Europa.“

Professor Arnold kann kaum verstehen, dass die Aramäische Sprache in der christlichen Welt eine so geringe Rolle spielt. Er sagt, die Aramäische Sprache war es, die Jesus zuerst gehört hat, in der er zu seinen Jüngern gesprochen und das Evangelium verkündet hatte. Professor Arnold empfiehlt daher, das Aramäische an christlichen Universitäten zu lehren. Darüber hinaus ergänzt er, dass zweisprachige Kindergärten für den Erhalt des Aramäischen in Europa seiner Meinung nach am wichtigsten sind.

 

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Was viele möglicherweise nicht wissen: Die aramäische Sprache ist hoch gefährdet! Die christliche Volksgruppe, die aramäisch spricht, ist sehr klein. Die Flucht vor Kriegen, Verfolgungen und Repressalien im Nahen Osten verursachten mehrere Auswanderungswellen aus den Heimat-Ländern und große Umbrüche in der aramäisch-sprechenden Community. Die gravierenden Folgen: nur ein Bruchteil der Community spricht heute noch aramäisch.

Unsere Vision: Wir wollen bundesweit bilinguale KiTas (Deutsch-Aramäisch) betreiben. Wir sind tief überzeugt, dass wir auf diese Weise bereits im frühen Alter die aramäische Sprache fördern können. Dadurch verbessern wir die Integration und die Bildungschancen der Kinder.

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Quellen und Nachweise:
https://oe1.orf.at/programm/20190903/571965/Die-aelteste-Sprache-der-Welt
https://www.welt.de/geschichte/article160309110/Wie-Hoehlenmenschen-unsere-Sprache-praegten.html
https://www.welt.de/geschichte/article153636829/Wie-Jesu-Mundart-zur-ersten-Weltsprache-wurde.html
https://www.deutschlandfunk.de/warum-aramaeisch-niemals-ganz-aussterben-wird-die-sprache.886.de.html?dram:article_id=434899

https://juedisches-leben.erfurt.de/jl/de/mittelalter/handschriften/wissenswertes/118684.html

https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/Die-Sprache-die-Jesus-zuerst-gehoert-hat;art312,170034

 


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